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Aktualisiert: vor 1 Stunde 6 Minuten

Bach, Carl Philipp Emanuel - Klavierwerke Vol. 31

vor 1 Stunde 6 Minuten

Häusliche Kennerfreuden

Clavieristisches Heimwerken auf dem um 1780 immer noch gebräuchlichen Clavichord ist für Miklós Spányi immer noch Gegenstand seiner historisch perspektivierenden Gesamtschau.

Mit Folge 31 setzt Miklós Spányi seine lange Reihe der Solo-Tastenmusik des bedeutendsten Bach-Sohns auf gewohnt höchstem Niveau fort und präsentiert die ihrerzeit wohl berühmtesten beiden Sammlungen 'Für Kenner und Liebhaber', die 1779 und 1780 fast schon als retrospektives Spätwerk erschienen (die Sonaten dieser CD entstanden, wie der exzellente Booklet-Text von Darrel M. Berg referiert, zwischen 1772 und 1780 in Hamburg, bis auf die zweite Sonate der ersten Sammlung, die schon 1758 in Berlin komponiert wurde und den früheren ‚galanten‘ Stil repräsentiert). Es sind historisch gewichtige Werke: Bach folgt hier grundsätzlich einem dreisätzigen Sonaten-Modell, das zu dieser Zeit auch Haydn und Mozart favorisieren, variiert aber – eher wie Haydn – die internen Satztypen und Ausdruckscharaktere stärker als im Schnell-Langsam-Schnell-Sche...

The last concert - Werke von Mendelssohn, Berlioz - Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado

vor 1 Stunde 6 Minuten

Edles Vermächtnis

Eine gelungene Hommage an eine Ära: Claudio Abbado und die Berliner Philharmoniker.

Etwa fünf Jahre ist es inzwischen her, dass Claudio Abbado das letzte Konzert mit ‚seinen‘ Berliner Philharmonikern gab. Unvergessliche Momente wie dieser bleiben allen Beteiligten besonders in Erinnerung – in eine entsprechend aufwendig produzierte Edition wurde dieser Auftritt beim hauseigenen Label gegossen.

Emotional aufgeladen

Auf dem Programm standen seinerzeit zwei ganz gegensätzliche Werke: Auf der einen Seite Berlioz‘ 'Symphonie fantastique', auf der anderen Auszüge aus Mendelssohns 'Sommernachtstraum' – beides Stücke, die das Phantastische in den Vordergrund rücken. Und auf phantastischem Niveau bewegen sich auch beide Interpretationen. Bei Berlioz nehmen schon die 'Träumereien' den Hörer von Anfang an gefangen. Rauschende Crescendi, volles, sattes Streicher-Timbre und absolut klare Konturen rund um ...

Braunfels, Walter: Quintett op.63a; Sinfonia concertante op.68 - Münchner Rundfunksinfonieorchester, Ulf Schirmer

vor 1 Stunde 6 Minuten

Umgetitelt

Zwei Werke aus Walter Braunfels' später Schaffensphase in vorbildlichen Interpretationen.

Ob den Verantwortlichen dieser CD-Produktion der ‚rote Faden‘ hinter den beiden eingespielten Werken wohl bewusst war? Der umfangreiche Booklettext erweckt nicht diesen Eindruck. Dabei sind beide Kompositionen Walter Braunfels‘ auf das Engste mit dessen ehemaligem Schüler Frithjof Haas verbunden, langjährigem Kapellmeister der Badischen Staatskapelle Karlsruhe (ihn als ‚Urgestein‘ zu bezeichnen, tut ihm ob seines feinen Geistes im Grunde Unrecht). Haas war ein enger Freund und Vertrauter des Komponisten und hob schon bald nach der Uraufführung die 'Musik für Solovioline, Soloviola, zwei Hörner und Streichorchester' op. 68 1949 auch in Karlsruhe aus der Taufe. Ja, die Komposition hieß nicht 'Sinfonia concertante', bis lange nach dem Tod des Komponisten anlässlich der Erstveröffentlichung die Entscheidung getroffen wurde, den neutralen und sperrigen ...

Mozart, Wolfgang Amadeus - Flötenquartette

vor 1 Stunde 6 Minuten

Alte Aufnahme zu entdecken

Tudor bringt eine Einspielung von Mozarts Flötenquartetten mit Aurèle Nicolet und dem Münchner Streichtrio neu heraus.

1979 spielte Aurèle Nicolet gemeinsam mit dem Münchner Streichtrio die vier einzigen Flötenquartette von Wolfgang Amadeus Mozart ein. Jetzt hat Tudor diese Aufnahme neu heraus gebracht. Im Booklet ist neben einer Werkeinführung zu den Quartetten auch ein 2016 in der Neuen Züricher Zeitung erschienener Artikel über Aurèle Nicolet enthalten. Die Aufnahme zeugt vom Fortschritt, den die Aufnahmetechnik seit 1979 gemacht hat: Der Flötenton klingt etwas schmutzig und rauchig und es sind immer wieder Nebengeräusche der Instrumente zu hören, die auf aktuellen Erscheinungen nicht mehr präsent sind. Die gesamte Einspielung klingt etwas verschwommen und dumpf. Der Unterschied in der Aufnahmequalität zu heutigen Einspielungen fällt sofort auf, macht diese Ausgabe aber auch interessant, da sie insofern historisch ist und einen Einblick in frühere Aufnahme- und Spielpraktike...

Diversity - European Brass Ensemble, Thomas Clamor

vor 1 Stunde 6 Minuten

Überschäumende Energie

Mit ihrer Darbietung verschiedener Kostbarkeiten aus der Literatur für Blechbläserensemble stellen die Musiker des European Brass Ensemble unter der Leitung von Thomas Clamor die gesamte vielschichtige Bandbreite ihres Könnens unter Beweis. Hörenswert!

Es ist immer wieder eine Freude, wenn man als Hörer glaubt, sich schon ein konkretes Bild von der Musik einer bestimmten Besetzung gemacht zu haben, und dieses Bild dann komplett auf den Kopf gestellt oder zumindest mit etlichen zusätzlichen Farben angereichert sieht. So typisch die Präsentation der Werke zunächst zu sein scheint – das berühmte 'Te Deum' von Marc-Antoine Charpentier gehört nicht nur zu den Klassikern der Literatur für Blechbläserensemble, sondern spricht auch hinsichtlich seiner festlichen Atmosphäre eine deutliche Sprache –, so viele Überraschungsmomente halten die Musiker des European Brass Ensemble im weiteren Verlauf ihrer Einspielung für den Hörer bereit. Schnell wird deutlich, dass das Motto ‚Diversity‘ nicht nur im Hinblick auf die zum Teil weit auseinanderliegenden Entstehungszeiträume, sondern auch bezü...

Bach Inspirations - Werke von Bach, Liszt, Franck, u.a.

vor 1 Stunde 6 Minuten

Jugendliche Reife

Überzeugendes Bach-Debüt eines jungen Niederländers.

Muss sich jeder junge Pianist mit einer ambitionierten Platte seinem zukünftigen Publikum stellen? In diesem Fall unbedingt. Der Niederländer Hannes Minnaar hat die Bach-Rezeption des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in den Fokus genommen und überzeugt durch feine Anschlagsnuancen, perlende Geläufigkeit, klugen Pedaleinsatz und Verzicht auf pianistisches ‚Dreschen‘. Ob Bach-Transkriptionen von Liszt, Busoni, Rachmaninov, Harald Bauer, Ralph Vaughan Williams oder Percy Grainger oder Originalkompositionen von César Franck ('Prélude, Choral et Fugue'), Franz Liszt ('Fantasie und Fuge über BACH', 2. Fassung) – Minnaars Spiel zeugt von tiefem Verständnis für Bach wie für die Bearbeiter. Er nimmt die Werke nicht als Rohmaterial zur Selbstbespiegelung, sondern ordnet sich unter, überzeugt ganz besonders in den Mezzopiano-, Piano-, Me...

Reimann, Aribert: L'Invisible - Orchester der Deutschen Oper Berlin, Donald Runnicles

vor 1 Stunde 6 Minuten

Lyrische Todes-Trilogie

Aribert Reimanns neunte Oper 'L’Invisible' überzeugt auch als reines Tondokument wegen ihres starken Textes, ihrer magischen Musik und der guten Präsentation dieser Veröffentlichung.

Aribert Reimanns neunte Oper 'L‘Invisible' basiert auf drei Kurzdramen von Maurice Maeterlinck, die allesamt um das Thema Tod kreisen. Kunstvoll hat Reimann die drei Texte miteinander kombiniert, die handelnden Figuren durch Besetzungsvorgaben zu verbindenden Elementen werden lassen. Die Atmosphäre ist düster und geheimnisvoll – der titelgebende Unsichtbare muss erspürt und in der Klangsprache Reimanns erhört werden. Die vorliegende Livemontage der Uraufführungsserie vom Oktober 2017 an der Deutschen Oper Berlin, die nun beim Label Oehms auf zwei CDs herausgekommen ist, liefert ein eindrückliches Tondokument dieses intensiven und fast schon fiebrigen Opernabends.

Es beginnt mit der Momentaufnahme einer wartenden Familie: 'L‘Intruse'. Im Nebenzimmer liegt eine junge Mutter im Sterben, ihr Neugeborenes liegt seit der Geburt stumm im gegenüberliegenden Zimmer...

Gade, Niels W.: Chamber Works Vol.4 - Ensemble MidtVest

vor 1 Stunde 6 Minuten

Mit Leidenschaft

Das Ensemble MidtVest überzeugt mit dem vierten Teil seiner Gesamteinspielung des kammermusikalischen Schaffens von Niels Wilhelm Gade.

Gemeinsam mit dem Label cpo hat sich das dänische Kammerensemble Ensemble MidtVest der Erschließung des gesamten kammermusikalischen Schaffens von Niels Wilhelm Gade (1817–1890) angenommen. Ein lobenswerter Vorsatz, denn Gade steht zumeist im Schatten von Zeitgenossen wie Mendelssohn oder Schumann. Dabei ist der Däne kein unbeschriebenes Blatt und in den vergangenen Jahrzehnten hat sich erfreulicherweise in der musikwissenschaftlichen Forschung um seine Person einiges getan: Leben und Werk sind mittlerweile gut erschlossen – auch auf dem Tonträgermarkt. Mit seiner Gesamtaufnahme der Kammermusik leistet das Ensemble MidtVest hier also einen längst überfälligen Beitrag.

Gades Kammermusik wird von den Streichern dominiert, insbesondere von der Violine – was nicht verwunderlich ist, war er doch selbst ein hervorragender Geiger. Nur ein einziges seiner kammermusikalischen Wer...

Adams, John: Naive and Sentimental Music/Absolute Jest - Doric String Quartet, Royal Scottish National Orchestra, Peter Oundjian

vor 1 Stunde 6 Minuten

Absoluter Adams

Das Royal Scottish National Orchestra spielt souverän zwei Orchesterwerke von John Adams.

Wie seine Mitstreiter Philip Glass, Steve Reich und Terry Riley hat sich der 1947 geborene John Adams in die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts eingeschrieben, erfreut sich trotz seiner Historizität jedoch bester Gesundheit und komponiert munter weiter. Zeugnis davon gibt unter anderem vorliegende hybride SACD mit dem Royal Scottish National Orchestra unter seinem Chefdirigenten Peter Oundjian, die zwei Orchesterwerke des Amerikaners dokumentiert. Dabei handelt es sich um das 2012 überarbeitete 'Absolute Jest' für Streichquartett und Orchester sowie um 'Naive and Sentimental Music' von 1999, bei dem der Schiller-Bezug im Titel laut Booklet durchaus beabsichtigt ist. Adams Kompositionsstil scheint sich über die Jahrzehnte nur wenig verändert zu haben, was nicht unbedingt als Kritik gemeint ist. Immerhin ist er damit nicht der einzige Komponist. Zudem gibt es für die sogenannte Minimal Mu...

The liberation of the Gothic - Graindelavoix, Björn Schmelzer

vor 1 Stunde 6 Minuten

Typisch englisch

Eine Graindelavoix-Platte, die interessant und zugänglich gleichermaßen ist. Das Ensemble balanciert gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Spezialität und allgemeiner Schönheit.

Björn Schmelzer und sein Ensemble Graindelavoix stellen auf ihrer neuen Platte zwei englische Komponisten in den Mittelpunkt, die ebendort seltener als andere zu finden sind: Thomas Ashwell (um 1478 – um 1527) und John Browne (um 1480 – 1505), zwei zentrale Figuren der frühen Renaissance, deren Musik nicht unbedingt umfangreich rezipiert wird. Browne begegnet man immerhin gelegentlich dank seiner vernehmlichen Präsenz im Eton Choir Book. Hier ist er mit zwei ausgreifenden Sätzen vertreten, die jeweils knapp zwanzig Minuten umfassen: Einem 'Salve Regina' und einem 'Stabat mater'. Dazu erklingt die fabelhafte Missa Ave Maria von Ashwell. Allesamt sind das typische Sätze jener Zeit – geprägt von dichtem Kontrapunkt und einem stark konstruktiven Zug; ein Satz mit weitem Klangumfang, mit oft sehr tiefem Bass und außergewöhnlich hohem Treble, dazu einer Fülle c...

Westerhoff, Christian - Braschenkonzerte & Flötenkonzert

vor 1 Stunde 6 Minuten

Sommernachmittag

Ein norddeutscher Komponist des 18. Jahrhunderts in einer zweiten verdienstvollen Produktion aus Georgsmarienhütte.

Vor Jahren profilierte sich das Göttinger Symphonie-Orchester durch eine Konzert- und CD-Reihe ‚Musik in Niedersachsen‘. Als Nachfolgeprojekt dieser verdienstvollen Reihe kann man die vorliegende CD verstehen, die sich voll und ganz dem im nordwestdeutschen Raum und den Niederlanden tätigen Christian Westerhoff (1763–1806) widmet. Westerhoff stand u. a. in Diensten des Grafen zu Bentheim und Steinfurt und war Mitglied der Schaumburg-Lippischen Hofkapelle in Bückeburg. Überschaubar ist sein überliefertes Schaffen: eine Sinfonie, einige Solokonzerte sowie etliche Streichduos und -trios. Schon 2010 entstand für cpo eine Produktion der Sinfonie sowie des Klarinettenkonzerts, nun hat sich das Symphonieorchester Osnabrück unter Leitung seines Chefdirigenten Andreas Hotz zweier Violakonzerte sowie des Flötenkonzerts angenommen.

Reizvolle Musik

Das...

Diethelm, Caspar: Symphonische Werke - Royal Scottish National Orchestra, Rainer Held

vor 1 Stunde 6 Minuten

Symphonik eines fleißigen Handwerkers

Kein hohes Niveau bei den Werken selbst und auch nicht bei deren Interpretation: Die Symphonik von Caspar Diethelm dürfte kaum Chancen auf eine Renaissance haben.

Über zwanzig Jahre nach seinem Tod im Jahr 1997 ist Caspar Diethelm beinahe vollkommen in Vergessenheit geraten. Hier und da wird noch ein Stück des 1926 in Luzern geborenen Komponisten gespielt, etwa die Sonate für Posaune solo op. 128, doch der Großteil seines beinahe 350 Werke umfassenden Schaffens schlummert in den Archiven. Die vorliegende 3-CD-Box des Labels Guild ist ein Versuch, die symphonischen Werke des Schweizers wieder ans Licht der (musikalischen) Öffentlichkeit zu bringen. Der Dirigent Rainer Held und das Royal Scottish National Orchestra haben sechs Orchesterwerke ausgewählt, der Bogen spannt sich von der ersten Symphonie op. 35 aus den Jahren 1962 bis 64 zur symphonischen Suite 'Saturnalia' op. 200, die Diethelm 1982 komponierte und 1994 noch einmal überarbeitete. Dass es sich dabei, wie auf der Box vermerkt wird, um ‚World Premiere Recordings‘ handelt, liegt in...

Transition - Werke für Cello und Bläserquintett

vor 1 Stunde 6 Minuten

Sachlich informiert

Gesucht – gefunden: Fünf Bläser und ein Cellist auf dem Weg nach optimaler Klangbalance im kammermusikalischen Raum.

Immer wieder starten Musiker den Versuch, Vorgegebenes aufzubrechen. In frühen Zeiten war dies Alltag. Die ideologisch überfrachtete Neue-Musik-Szene und der Authentizitätswahn in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zwangen solche Vorhaben in die Nische. Unter dem Vorwand, sich neue Räume erschließen, probierten die Mutigen aus und belebten die ‚Musiktage-Szene‘. Inzwischen ist man einen Schritt weiter. Nachdem allenthalben regional verortete Musikfestivals große Künstler an kleine, unbekannte Orte locken, erhält jenes Format, das der Cellist David Stromberg bietet, schon aufgrund der überschaubaren Zahl an Musikern und Kosten Aufwind.

Was hat er getan? Er arrangierte den Orchesterpart einiger der bekanntesten Cello-Konzerte für Bläserquintett. Dazu zählen Robert Schumanns Cellokonzert op. 129 und die Rokoko-Variationen op. 33 von Pet...

Reisenauer, Alfred: The Welte Mignon Mystery Vol. XXII - Werke von Robert Schumann, Franz Liszt, Frédéric Chopin, Ludwig van Beethoven

vor 1 Stunde 6 Minuten

Pianistik des 19. Jahrhunderts

Diese über hundert Jahre alte Aufnahmen geben uns eine Ahnung von den pianistischen Künsten des 19. Jahrhunderts. Den Vergleich mit aktuellen Einspielungen braucht diese CD nicht zu scheuen.

Mit Alfred Reisenauers Einspielungen von 1905 legt TACET nun Vol. XXII der Welte-Mignon Mystery-Reihe vor. Dabei werden die überlieferten Klavierrollen in ein entsprechendes Reproduktionsklavier eingesetzt, abgespielt und das Klangergebnis aufgenommen, daher auch die leisen Geräusche des Spielmechanismus in der Stille zwischen den Stücken. Mit Schumanns 'Carnaval', Liszts Rhapsodie Nr. 10, Chopins 'Berceuse' und drei Werken von Beethoven enthält das Programm lauter Repertoirestücke, die bereits in unzähligen Aufnahmen vorliegen und auch heute noch im Konzertsaal präsent sind. Was die CD so hörenswert macht, ist der Abglanz einer inzwischen verloren gegangenen Interpretationskultur, die der Liszt-Schüler Reisenauer dokumentiert, der nur zwei Jahre nach Erfindung der revolutionären Aufnahmetechnik von Welte verstarb. Damit zählt Reisenauer (Jahrgang 1863) wohl zu de...

Dogson, Stephen: Streichtrios - Solowerke - Karolos

vor 1 Stunde 6 Minuten

Tanzende Figuren im Garten

Durchaus berühmte Interpreten finden sich unter dem Ensemblenamen Karolos, der bislang noch nicht geläufig ist, zu einer vorzüglichen Produktion zusammen.

Was für ein passendes CD-Cover, ist der erste Eindruck bei der vorliegenden CD – ein Gemälde von der Hand des Vaters des Komponisten, aus des Komponisten Nachlass. 'Tanzende Figuren im Garten' – man kann eine fast unmittelbare Verbindung zu den Kompositionen Stephen Dodgsons (1924–2013) aufbauen, eines Komponisten, der lange hinter zahlreichen seiner britischen Zeitgenossen zurückstehen musste. Nun ist zuzugeben, dass Dodgsons Tonalitätsverständnis eher der Generation Alan Rawsthornes oder Edmund Rubbras zuzurechnen ist, doch verfügt Dodgson über durchaus eigenständige Blickwinkel. Die vorliegende CD enthält die beiden (jeweils dreisätzigen) Streichtrios, ergänzt um drei Werke für je ein Solostreichinstrument. Das erste Streichtrio (1951) hält das eine oder andere Echo an Michael Tippett bereit; dennoch fällt sogleich auf, dass Dodgson sic...

Janson, Alfred: The wind blows - Music for choir - Norwegian Soloists' Choir, Grete Pedersen

vor 1 Stunde 6 Minuten

Eigenwillig

Ein vielfarbiges Bild aus dem reichen Komponistenleben Alfred Jansons. Eine attraktive und lohnende Mischung – stark gesungen vom Norwegian Soloist's Choir.

Kompositorisch ambitioniert zu arbeiten, verlangte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen europäischen Ländern wichtige Entscheidungen: Welche Rolle konnte Tradition noch spielen, zumal solche, die sich selbst kontaminiert hatte? Welcher ästhetische Aufbruch war glaubwürdig? Konnte das Alte überhaupt noch überleben? Oder war es gerade angezeigt, zum Beispiel volksmusikalische Traditionen von ihrem unfreiwilligen Erbe wieder zu befreien? Auch in Norwegen war die Lage nicht einfach: Die nationalromantische Tradition und ihre Heroen standen in Frage – natürlich ästhetisch, aber auch deshalb, weil mancher der jüngeren Protagonisten während der deutschen Besatzungszeit allzu willfährig kollaboriert hatte, in der Annahme, Anteil an der Rettung nordischer und damit vermeintlich besonders kostbarer europäischer Kultur zu haben. Nahtlos anzuknüpfen war unm&ouml...

Haydn, Michael: Sinfonien 13 und 20; Notturno 1 - Deutsche Kammerakademie Neuss, Lavard Skou Larsen

vor 1 Stunde 6 Minuten

Kleiner Bruder ganz groß

Beinahe 25 Jahre hat es gedauert, bis alle 44 Sinfonien von Michael Haydn eingespielt waren. Das verlangt einen langen Atem und viel Begeisterung. Das Ergebnis: Es hat sich gelohnt.

Michael Haydn (1737–1806) hat eine ähnliche Karriere wie sein Bruder Joseph hingelegt – vom Chorknaben in Wien bis zur langjährigen Festanstellung an einem fürstlichen Hof in der Habsburger Provinz. Warum ist er aber bis heute nicht in die erste Liga der Komponisten gerückt? Zu Lebzeiten war er jedenfalls in seinem Umfeld in Salzburg hoch angesehen. Neben den regelmäßigen Aufträgen für seine Arbeitgeber an Dom und erzbischöflichem Hof, für die er Opern, Kirchen- und Kammermusik sowie ungezählte Musiken zur Unterhaltung zu liefern hatte, schrieb Haydn, quasi nebenher, ein bis zwei Sinfonien pro Jahr. Sie enthalten einfallsreiche Melodien, klangliche Abwechslung durch Einbeziehung der Bläser, die nicht nur zur reinen Unterstützung der Harmonien gebraucht wurden, sondern immer wieder auch solistisch eingesetzt wurden. Da die Salzburger Hofkapelle hervorragende...

Swan Songs / Schwanengesänge - Christian Immler, Anna Stéphany, Christoph Berner, Danny Driver, Silvia Fraser

vor 1 Stunde 6 Minuten

Letzte Lieder

Christian Immlers Album 'Swan Songs' fordert den Hörer heraus, sich mit ungewöhnlichen Werken zu beschäftigen und ganz genau zuzuhören.

‚Swan Songs – Schwanengesänge‘ nennt der deutsche Bariton Christian Immler sein neues Album mit Liedern von Schubert, Brahms, Barber und Bernstein. Die letzten Vokalwerke dieser Komponisten stehen im Zentrum von Immlers Beschäftigung mit jenen Klangwelten, die im Angesicht des Todes entstanden sind oder erst rückblickend als finale Aussagen betrachtet werden können, weil zur Zeit der Entstehung das nahende Ende vielleicht noch keine Präsenz zeigte. Auf diese Weise vereint das Album nicht nur stilistisch kontrastreiche Musik, sondern enthält die gesamte emotionale Bandbreite von Verzweiflung und Melancholie bis hin zu jener prall lebendigen Musik Leonard Bernsteins, die den Abschluss dieser besonderen und anspruchsvollen CD bildet.

Die Aufnahmen dieses beim Label AVI-Music erschienenen Albums entstanden beim Bayerischen Rundfunk im Juni 2016 und April 2017 – zwei Aufnahme...

The Bach Mono Tapes - Friedrich Gulda, Clavichord

vor 1 Stunde 6 Minuten

Gulda auf dem Clavichord

Friedrich Gulda, Klassiker des modernen Klavierspiels und des Jazz, überrascht mit dieser CD als Clavichordspieler: eine faszinierende und problematische Aufnahme.

Die vorliegende CD mit Werken Johann Sebastian Bachs auf dem Clavichord sind ein spätes Vermächtnis Friedrich Guldas. Sie entstanden nebenbei aus Tonbandaufnahmen, die der Pianist anfertigte, um sein Spiel zu kontrollieren. Um es vorweg zu sagen: Die enormen pianistischen Fähigkeiten des Musikers werden vollständig auf seine beiden Clavichorde übertragen. Die Werke Bachs werden mit einem Furor musiziert, das an den Beinahe-Namensvetter Gould erinnert. Dadurch gewinnt Guldas Bach an Plastizität und thematische Zusammenhänge werden ohrenfällig, die beim langsameren Spiel so nicht in Erscheinung treten. Auch wenn dies mittlerweile ein Allgemeinplatz ist: Bei Gulda fängt der alte Bach an zu swingen. Besonders gefällt, dass Gulda die spezielle Eigenschaft des Clavichords ausgiebig nutzt: Die sogenannte Bebung, die dann ensteht, wenn man die gedrückte Taste etwas auf und ab bewegt. Dad...

Ordonez, Karl von - Sinfonien

vor 1 Stunde 6 Minuten

Wiener Farbe ohne Beamtentrockenheit

Einen weiteren Mozart-Zeitgenossen graben L'arte del mondo unter Werner Ehrhardt aus – die Werke von Karl von Ordonez sind eine Bereicherung.

Einen weiteren Mozart-Zeitgenossen graben L’arte del mondo unter Werner Ehrhardt aus – und man möchte sich gleich korrigieren: Nein, diese Epoche sollte nicht durch Gluck, Haydn oder Mozart definiert werden, ist sie doch um ein Vielfaches reicher und vielfältiger; und dass uns dies bewusst ist, dürfen wir gerade Ensembles wie L‘arte del mondo danken.

Karl von Ordoñez (1734–1786) wurde zwar in Wien geboren, war aber spanischer Abstammung. Über ihn als Komponisten wissen wir wenig – kein Lehrer ist überliefert, keinen musikalischen Beruf im eigentlichen Sinne übte er aus, vielmehr war er beamteter Registrator in Wien. Dies gab ihm die berufliche Sicherheit, seinen Hobbies nachzugehen – dem Violinspiel und der Komposition. Mehr als 70 Sinfonien von ihm sind überliefert, und einige von ihm wurden zwischenzeitlich gar Haydn untergeschoben. Das zeigt ei...