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Aktualisiert: vor 1 Stunde 16 Minuten

Zemlinsky, Alexander von - Die Seejungfrau

vor 1 Stunde 16 Minuten

Meeresbilder

Diese Einspielung von Zemlinskys 'Seejungfrau' mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister braucht sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken.

Eigentlich müsste man bei einem im Konzert eher selten gespielten Werk wie Alexander von Zemlinskys (1871-1942) dreisätziger sinfonischer Fantasie 'Die Seejungfrau' davon ausgehen, dass die Lage auch auf dem Plattenmarkt dünn gesät sei. Dem ist aber nicht so. So muss sich diese bei cpo erschienene Live-Aufnahme von 2010 aus dem Wiener Konzerthaus mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister unter anderem gegenüber Thomas Dausgaard, John Storgards und Emmanuel Krivine behaupten. Dabei war Zemlinskys rund eine Dreiviertelstunde dauernde Schöpfung nach dem Märchen von Hans Christian Andersen bis in die 1980er Jahre verschollen und musste erst durch Peter Gülke neu entdeckt und uraufgeführt werden. Die eigentliche Uraufführung von der 'Seejungfrau' hatte sich bereits 1905 zusammen mit der Uraufführung von 'Pelleas und Melisande' ereignet, ...

Music in medieval Denmark - Mare Balticum Vol. 1

vor 1 Stunde 16 Minuten

Mare Balticum

An einer klingenden Geschichte des mittelalterlichen Ostseeraums zu arbeiten, ist plausibel. Die erste Folge der Tacet-Reihe ist verheißungsvoll.

Der zweite in Europa ganz von Land umschlossene Meeresraum neben dem des Mittelmeers ist der Ostseeraum. Das Mittelmeer ist in seinen trennenden wie verbindenden Eigentümlichkeiten in vielerlei Hinsicht gut ausgeleuchtet. Auch das Mare Balticum ist vielfältig Gegenstand analytischer Betrachtung gewesen. Und beides sind bis heute Orte intensiven Zeitgeschehens, gelegentlich auch heftiger Auseinandersetzungen. Scharfe Grenzen gelten und schroffe Gegensätze werden betont. Genauso sind typische Landschaften und Lebensweisen, gemeinsame Erfahrungen mit dem Leben am Meer und eine vergleichbare Nahrungsgrundlage verbindend. Fernand Braudel hat all das idealtypisch für das Mittelmeer der Renaissance gezeigt, erschöpfend und beglückend gleichermaßen. Und Michel Mollat du Jourdin hat die Gemeinsamkeiten des Einflusses der Meere in ganz Europa betont.

Wenn nun Agnieszka Budzinska-Bennett mit ihrem E...

Zender, Hans - Winterreise

vor 1 Stunde 16 Minuten

Banal oder epochal?

Das von Julian Prégardien inizierte Editionsprojekt 'Winterreise' geht in die zweite Runde mit der erst dritten Gesamteinspielung von Hans Zenders Version der 'Winterreise'. Womöglich eine neue Referenzeinspielung.

Banal oder epochal? Diese Frage hat sich bereits die meistenteils positive Kritik nach der Uraufführung der komponierten Interpretation für Tenor und kleines Orchester, die Hans Zender unter dem Titel Schuberts 'Winterreise' vorgelegt hat, gestellt. Es mag wenig verwundern – und dies spricht wahrscheinlich auch für den großen Glücksgriff, der dem Komponisten und Dirigenten im Jahr 1993 gelungen ist -, dass diese Frage auch heute noch Aktualität hat. Der Tenor Julian Prégardien, Musiker der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern und Robert Reimer laden zu einer neuerlichen Auseinandersetzung mit diesem Stück ein.

Die Einspielung erscheint dabei im Rahmen des Projektes P.Rhéi, das seinen Namen indirekt zumindest Hans Zender verdankt und von Julian Prégardien federführend geleitet wird. Interpretationsgeschichte ist, was ungew&oum...

Marika Lombardi spielt - Englische Oboenwerke

vor 1 Stunde 16 Minuten

In Brittens Schatten

Diese vier englischen Werke für Oboe und Klavier erfahren solide Interpretationen, die Werke selbst sind jedoch (Brittens Variationen ausgenommen) etwas schwach.

Schon zu Lebzeiten galt Benjamin Britten (1913–1976) vielen Musikfreunden als bedeutendster britischer Komponist des 20. Jahrhunderts. Über vierzig Jahre nach seinem Tod hat sich diese Sichtweise sogar noch verfestigt, obwohl seither eine ganze Reihe anderer Tondichter von der Insel in den Konzertsälen und auf Tonträgern entdeckt wurden. Doch im direkten Vergleich mit Britten schneiden seine Landsleute fast immer schlechter ab, wie man beispielsweise an vorliegender CD mit englischer Musik für Oboe und Klavier erkennen kann. Die vier Werke aus den Jahren 1927 bis 1958 eint (bei sehr unterschiedlicher stilistischer Ausprägung) eine gewisse Distanz zur musikalischen Moderne ihrer Zeit, alle wahren im Wesentlichen die Dur-Moll-Tonalität. Wirklich herausragend sind jedoch nur Brittens 'Temporal Variations' aus dem Jahr 1936, ein Standardwerk für jeden virtuosen Oboisten und gleichzeitig ei...

Bach, Johann Sebastian - Kantaten BWV 80, 24 & 79 (Vol. 21)

vor 1 Stunde 16 Minuten

Ohne Pathos

Es ist schon die 21. Folge der Bach-Reihe: Rudolf Lutz und seine Mitstreiter machen Tempo in hoher Qualität. Es macht Freude, dem Entstehen dieses Konvoluts zuzuhören.

In der 21. Folge der Gesamtaufnahme wartet die St. Gallener Bach-Stiftung unter der künstlerischen Leitung von Rudolf Lutz mit einem interessanten Programm auf. Den Auftakt markiert die wahrscheinlich Ende der 1720er Jahre uraufgeführte gewichtige Reformationskantate 'Ein feste Burg ist unser Gott' BWV 80 mit ihrem großen stilistischen Spannungsbogen von wuchtigen Chorsätzen und luftigen, fein gesponnenen Gesten Weimarer Provenienz. Sie zeigt zweierlei: Zwar war Bach sicher ein glaubensfester Lutheraner. Doch wird bei ihm das, was bei Luther manchmal zu groß, auch zu eindimensional gedacht und vor allem gefühlt ist, ins Humane übersetzt, wird es fasslich und im besten Sinne beglaubigt. Und das auf höchst kunstfertige Weise. Es ist wohl so, wie Anselm Hartinger es im überzeugenden Booklettext schreibt: Die fälschliche Wahrnehmung Bachs als eines protestantischen National...

Paavo Järvi: Complete Telarc Recordings - Werke von Bartok, Debussy, Holst, Nielsen, Ravel, Tubin u.a.

vor 1 Stunde 16 Minuten

Ordnende Hand

Interpretatorisch lässt sich Paavo Järvis Einspielungen mit dem Cincinnati Symphony Orchestra einiges abgewinnen. Klanglich gibt es aber bei einem großen Teil erhebliche Mängel.

Paavo Järvi wurde hierzulande einer größeren Öffentlichkeit durch seine bahnbrechenden Aufnahmen der Beethoven-Sinfonien mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen bekannt. Es folgte ein nicht mehr ganz so aufsehenerregender Schumann-Zyklus, und jüngst feierte die erste Folge einer Brahms-Serie Premiere. Daneben prägte Järvi als Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters über mehrere Jahre einen bedeutenden Rundfunk-Klangkörper. Paavo Järvi gehört zu den international erfolgreichsten Dirigenten der Gegenwart mit mehreren parallel laufenden Chefpositionen auf unterschiedlichen Erdteilen gleichzeitig, in absehbarer Zeit übernimmt er die Leitung des Tonhalle-Orchesters Zürich. (Was man von dieser Jetset-Routine halten mag, braucht hier nicht diskutiert zu werden.)

Als Sohn des großen estnischen Dirigenten Neeme Järvi wurde ihm das Dirigieren quasi in die...

Violin Muse - Violinwerke von Poole, Puw, Matthews, Weir u.a.

vor 1 Stunde 16 Minuten

Femme formidable

Madeleine Mitchell zeigt sich als neugierige Interpretin, die sich inspiriert mit den Werken zeitgenössischer Komponisten auseinandersetzt.

24 Jahre ist das Tonträgersolodebüt der britischen Geigerin Madeleine Mitchell (der ehemaligen ersten Geigerin von Peter Maxwell Davies Fires of London) her, und seither hat sie sich im Bereich der zeitgenössischen britischen Musik als Auftraggeberin von Kompositionen nachhaltig profiliert. Sieben Komponist(inn)en (zwei Damen und fünf Herren) haben hier Beiträge für ihre ‚Violin Muse‘ beigesteuert, alle außer einem Werke von kammermusikalischer Intimität. Die Ausnahme ist das Violinkonzert 'Soft stillness' (nach einem berühmten Shakespeare-Zitat) des Walisers Guto Pryderi Puw aus dem Jahr 2014, das in einer äußerst dichten Interpretation mit dem BBC National Orchestra of Wales unter Edwin Outwater vom 12. Mai 2016 dargeboten wird – für Solistin wie das Orchester ein anspruchsvolles zweisätziges Werk, dessen Kontrapunktik hier äußer...

Leclair, Jean-Marie - Triosonaten op. 4

vor 1 Stunde 16 Minuten

Aufgeräumt

Diese vor 25 Jahren zum ersten Mal erschienene Aufnahme war damals die erste Einspielung von Leclairs Triosonaten op. 4 und hat nichts von ihrer Frische verloren.

Wer in sein CD-Regal schaut und unter Jean-Marie Leclair fündig wird, läuft leicht Gefahr, die vorliegende Produktion in einer heute sehr angestaubt wirkenden äußeren Gestaltung anzutreffen. Die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm hat nach 25 Jahren (die Aufnahmen entstanden im Januar 1992) nun auch diese Produktion aus den frühen Jahren des Ensembles Musica Alta Ripa neu aufgelegt. Und man darf rechtschaffen erstaunt sein, dass diese Einspielung nichts von ihrer Frische und musikalischen Dichte verloren hat. Es handelt sich offenbar um die älteste von mittlerweile drei Gesamteinspielungen der sechs Triosonaten op. 4 für zwei Violinen und Basso continuo geblieben ist (die anderen entstanden 1997 durch London Baroque für harmonia mundi bzw. 2014 mit dem Ensemble RosaSolis für musica ficta).

Anne Röhrig und Ulla Bundies (Violine) bieten, unterstützt von Guido Lansch (V...

Gundula Janowitz singt - Lieder von Schubert, Schumann und Strauss

vor 1 Stunde 16 Minuten

Silberglanz und Silbergrau

Zum 80. Geburtstag von Gundula Janowitz wird die Klassikwelt mit einer Erstveröffentlichung ihres letzten Liederabends beschenkt. Der Silberglanz schimmert auf und erreicht doch nicht die Qualität früherer Aufnahmen.

Den Namen Maria Callas neben Gundula Janowitz auf einem CD-Cover zu finden, dürfte die meisten Klassikfans überraschen. Mit Ausnahme der Gemeinsamkeit einer Sopranstimme sind es nämlich weder das Repertoire noch spezifische Persönlichkeitsmerkmale, welche eine Nähe dieser beiden grundverschiedenen Sängerinnen naheliegend erscheinen ließe. Nun hat Janowitz allerdings ihr letztes Recital in Athen zu einer Jubiläumsfeier im Gedenken an Maria Callas gegeben. Vermarktungstechnisch gesehen ist es damit ein kluger Schachzug, den prominenten Namen mit aufzulisten, obgleich eine größere Fokussierung auf Janowitz selbst den Kern der Aufnahme weitaus treffender zusammengefasst hätte als der Name Callas und das Bild des Odeons des Herodes Atticus. Dass diese CD für die Janowitz-Gemeinde zweifellos einen kleinen Schatz markiert, wird allein durch die Tatsache ersichtlich, dass der von ...

Straight from the Heart - Liederbuch

vor 1 Stunde 16 Minuten

Von Herzen möge es zu Herzen gehen

Ein Must-Have für ausnahmslos jede CD-Sammlung: Marc Lewons Ensemble Leones präsentiert Chansons aus dem Chansonnier Cordiforme. Diese Platte kommt nicht nur von Herzen, sondern geht auch zu Herzen.

Ein Versprechen liegt schon im Titel dieser wohlfeilen Platte aus dem Hause Naxos. ‚Straight from the Heart‘ liest man auf dessen Cover und direkt von Herzen ist auch der Gruß, der von Marc Lewon mit seinem sublimen Ensemble Leones an einen Freund übermittelt wird. Ja, auch die Hörerinnen und Hörer müssen die Freundinnen und Freunde eines Musikschaffenden sein, aber in diesem besonderen Fall würdigt Lewon seinen Freund und Mentor, so heißt es im Booklet, Reinhard Strohm.

Der Klassikmarkt ist heute schwierig geworden, das ist Tagespolitik. Vor allem aber wenn es um die sogenannte Alte Musik geht, wird die Luft sehr dünn. Viele Leserinnen und Leser werden das kennen: Versuchen Sie einmal, in egal welcher europäischen Großstadt, selbst beim CD-Händler des Vertrauens, bestimmte Einspielungen mal im Vorbeigehen zu erhaschen. Das ist ein Kunststück. Das m&...

Heinrich Schütz: Schwanengesang - Dresdner Kammerchor, Hans-Christoph Rademann

vor 1 Stunde 16 Minuten

Alterswerk

Hans-Christoph Rademann und seine Ensembles lassen Heinrich Schütz' Schwanengesang in vielen Farben erblühen – immerhin das erstaunliche Werk eines Mittachtzigers. Das Deutsche Magnificat ist ein angemessen prachtvoller Abschluss des Programms.

In der schon sechzehnten Folge der rasch voranschreitenden Gesamteinspielung der Werke Heinrich Schütz’ durch Hans-Christoph Rademann und den Dresdner Kammerchor ist der Schwanengesang des Komponisten zu hören, 1671 abgeschlossen, also ein Jahr vor dessen Tod. Kernstück dieser Motettensammlung ist der textreiche 119. Psalm, der Schütz viel bedeutete, der aber nicht so reich an griffigen und in barocker Musiksprache sinnfällig verwertbaren Bildern ist wie mancher andere Psalm. Schütz fasste die 22 Teile des gesamten Texts zu elf Motetten zusammen, organisiert in zwei vierstimmigen, gleichberechtigten Chören. Daneben umfasst der Schwanengesang eine Vertonung des 100. Psalms und ein Deutsches Magnificat – die wohl auch deshalb Teil der Sammlung wurden, damit sie dem ansonsten wahrscheinlichen Vergessen entrissen würden. Die Überlieferung des Werks ist teils abenteuerlich und reich...

Piano Cubano - Klavierwerke von Lecuona, Farinas und Alén

vor 1 Stunde 16 Minuten

Mit Charme und Temperament

Yamilé Cruz Montero ermöglicht den Zuhörern mit Leidenschaft, rhythmischer Präzision und viel Gefühl einen Einblick in die Welt kubanischer Klaviermusik. Ein großartiges Solo-Debut, das hoffentlich noch viele weitere Aufnahmen nach sich ziehen wird.

Wer in Westeuropa an lateinamerikanische Musik denkt, wird zunächst möglicherweise ganz allgemein eine starke Vorliebe für den Rhythmus, feurige Melodien und mitreißende Tänze wie Bossa Nova, Salsa oder Samba damit assoziieren. Dass sich innerhalb des großen Bereichs der Musik Lateinamerikas die verschiedensten Stile vereinen, von denen der kubanische seine ganz eigene Faszination besitzt, kann der interessierte Zuhörer in Yamilé Cruz Monteros Debutalbum, das 2017 im Label Grand Piano erschienen ist, selbst für sich entdecken. Der Anspruch der aus Kuba stammenden Pianistin ist es, sich unabhängig von ihrer klassischen Ausbildung und ihrem Repertoire europäischer Komponisten in besonderer Weise dafür einzusetzen, die Klaviermusik ihres eigenen Landes einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für ihr erstes Soloalbum wählte sie verschiedene Kom...

Bach Tripl3s - Werke von Johann Sebastian Bach

vor 1 Stunde 16 Minuten

Bach in der virtuosen Gruppe

Warum diese Aufnahme von Harmony of Nations seit 2010 unveröffentlicht blieb, ist nicht leicht verständlich: Zu sehr überzeugt das Material, wird der schöne programmatische Ansatz mit exzellentem Spiel nobilitiert.

Die Interaktion mehrerer solistisch hervortretender Instrumente steht im Hochbarock in voller Blüte: Bei Telemann etwa sind allerlei auf den ersten Blick merkwürdig scheinende Konstellationen zu bewundern, die zum Beispiel Blockflöte mit Trompete oder Viola verbinden – was, nebenbei gesagt, auf Grund der instrumententypischen Eigenheiten der Zeit ganz wunderbar funktioniert. Auch Johann Sebastian Bach schrieb für solche Konstellationen, in wechselnden Besetzungen dominiert von Violinen, Cembalo oder in den Brandenburgischen Konzerten auch Mixturen. All das ist erlesene Musik, idiomatisch trotz mancher Umarbeitung und Neuerfindung für andere Soloinstrumente, dazu stupend personalstilistisch geprägt. Eine Festwiese heikler Balancen und geschmackvoll entfalteter, teils eminenter Virtuosität. Dass derart köstliche Konstellationen spätestens nach Haydn und Beethoven weitgehend aufgeh&ouml...

Mozart, Wolfgang Amadeus - Klarinettenkonzert

vor 1 Stunde 16 Minuten

Ohne Schwung

Eine Familienproduktion der Ashkenazys kommt zwar überaus klangschön daher, Schwung jedoch darf man in diesen Mozart-Interpretationen nicht erwarten.

Vater und Sohn Ashkenazy interpretieren mit schönem Klang, ohne Ecken und Kanten. Wunderbare Musik in einer gediegenen Interpretation – also eine Empfehlung für diese Platte? Leider nein, denn für ein Werk, das so häufig eingespielt wurde wie Mozarts Klarinettenkonzert, ist das zu wenig.

Das Konzert ist zwar quasi eine heilige Kuh, dennoch sollte man vermeiden, in Ehrfurcht davor zu erstarren: Die Lebhaftigkeit eines klassischen Solokonzerts muss in den Ecksätzen zum Ausdruck kommen, und daran mangelt es hier. 15 Jahre ist die neu herausgebrachte Aufnahme mit der Tschechischen Philharmonie jetzt alt, sie könnte aber nach dem klanglichen Eindruck auch 30 oder 40 Jahre alt sein, so behaglich machen es sich Vladimir und Dimitri Ashkenazy. Der Junior spielt über weite Strecken unbekümmert ein eher pauschales Legato, der Senior lässt das Orchester zwar einigermaßen transpa...

Nielsen, Carl - On Record

vor 1 Stunde 16 Minuten

Sattes Fundament

Diese äußerst reichhaltige Sammlung historischer Aufnahmen eines Großteils des Schaffens von Carl Nielsen ist vor allem für jene, die Nielsen aus jüngeren Aufnahmen schon einigermaßen kennen, eine unverzichbare Bereicherung.

Das Jahr 2015, in dem der 150. Geburtstag des dänischen Komponisten Carl Nielsen gefeiert wurde, brachte auf dem Tonträgermarkt einen ganzen Schwung an Neueinspielungen. Im Gegensatz zu seinem finnischen Kollegen Jean Sibelius, ebenfalls 1865 geboren und vor zwei Jahren von der Musikwelt gefeiert, war die Ausbeute in Sachen Nielsen diskographisch größer und bedeutender – da hatte Nielsen überraschenderweise mal die Nase vorn gegenüber dem ungleich bekannteren Finnen. Das Hauptaugenmerk der Nielsen-Neuerscheinungen lag zwar – wie zu erwarten war – auf den bekannteren Werken, allen voran den sechs Sinfonien; allerdings gab es da mit Sakari Oramos Zyklus (erschienen bei BIS) einen wirklichen Meilenstein der jüngeren Interpretationsgeschichte zu bestaunen.

Schatz historischer Aufzeichnungen

Derlei interpretatorische Großtaten finden indes nic...

Scartazzini, Andrea Lorenzo - Edward II.

vor 1 Stunde 16 Minuten

Sinnlich, kraftvoll – und doch brav

Die Veröffentlichung von Scartazzinis 'Edward II.' dokumentiert ein Stück lebendigen zeitgenössischen Musiktheaters, das zwar niemandem wehtut, aber als pures Hörerlebnis auch keine Jubelstürme auslöst.

Die Veröffentlichung von Andrea Lorenzo Scartazzinis 'Edward II.' dokumentiert ein Stück lebendigen zeitgenössischen Musiktheaters, das zwar niemandem wehtut, aber als pures Hörerlebnis auch keine Jubelstürme auslöst. Vielleicht muss das eine neue Oper auch nicht zwingend. Vielleicht muss sie erst einmal die Chance bekommen, sich aus dem Schatten ihrer Schöpfer in die Freiheit zu begeben, neue Bildwelten zu erobern und begeisterte Anhänger zu gewinnen.

Scartazzinis Oper 'Edward II.' feierte im Februar diesen Jahres an der Deutschen Oper Berlin ihre Uraufführung. Die Geschichte vom schwulen englischen König, der als Konsequenz für seine Sexualität und machtpolitische Intrigen qualvoll hingerichtet wird, stützt sich zum einen auf entsprechend zurecht gerückte historische Überlieferungen wie auf das Sex-and-Crime-Schauspiel vom Shakespea...

Schostakowitsch, Dmitri - The Gadfly

vor 1 Stunde 16 Minuten

Filmmusik vom Feinsten

Mit ihrer Ersteinspielung der Musik zum Film 'The Gadfly' zeigen die hier beteiligten Musiker mit bemerkenswerter Qualität und hörbarer Spielfreude, dass Schostakowitsch auch auf dem Gebiet der Unterhaltungsmusik ein Meister seines Fachs war.

Die bekannte Redewendung, jemand sei ein Buch mit sieben Siegeln, trifft auf wenige Komponisten so sehr zu wie auf Dmitri Schostakowitsch. Ebenso schillernd, vielfältig und nicht selten widersprüchlich wie seine Persönlichkeit stellt sich auch sein kompositorisches Werk dar. Kaum dass man den Eindruck gewinnt, den Komponisten stilistisch einordnen zu können, zeigt er sich wieder von einer anderen Seite. Da seine Musik sich jedoch des öfteren bizarr und skurril anmutet, aber dabei nie ins völlig Fremdartige oder gar Unverständliche abdriftet, entpuppt sich dieses musikalische Wechselbad als ausgesprochen spannendes und bereicherndes Hörerlebnis.

Steckenpferd Filmmusik

Gerade wer Schostakowitsch bisher in erster Linie von seiner ernsthaften Seite kennengelernt hat, deren melancholisches, oft tragisches Gesicht besonders in seinen Sinfonien und Streichquartette...

Werke von Bach, Johann Sebastian - Bach-Small Gifts

vor 1 Stunde 16 Minuten

Bach kleinteilig

Eine ambitionierte Produktion von Dorothee Oberlinger und Andreas Scholl, die zeigt, dass Bach die immer wiederkehrende Beschäftigung lohnt – ob nun kanonisch streng oder frei und gelassen wie hier. Diese kleinen Gaben sollte man sich gefallen lassen.

Dorothee Oberlinger und Andreas Scholl spielen ihren ganz persönlichen Bach, in einzelnen Häppchen oder überschaubaren Kontexten. Die Verbindung von vokaler Altstimme und Blockflöte ist bei Johann Sebastian Bach eine gar nicht so seltene Konstellation. In größeren Werken ist sie prägnanter Teil, sehr deutlich in der Kantate BWV 170 'Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust'. In vielen Arien aus einzelnen Kantaten bestimmt sie das Bild. Und die Verwendung der Flöte beschränkt sich bei Bach insgesamt nicht auf ihre ergänzenden oder komplementierenden Aufgaben: In den Brandenburgischen Konzerten in F-Dur und G-Dur sind der Flöte prominente Partien zugedacht. Mag der Programmgedanke der als ‚Small gifts‘ betitelten Platte zuallererst wohl dem Wunsch nach Zusammenarbeit zwischen der Blockflötistin Dorothee Oberlinger und dem Altus Andreas Scholl ents...

Mozart, Wolfgang Amadeus - Bläseroktette

vor 1 Stunde 16 Minuten

Die Nase weit vorn

Mozarts Werke für Bläseroktett werden von der Oslo Kammerakademi so zupackend und knackig gespielt, dass keine Wünsche offen bleiben.

Drei Aspekte fallen bei der neuen Mozart-Platte der Oslo Kammerakademi ziemlich schnell auf: Zunächst die Ergänzung einer Kontrabassstimme, die Mozart nicht notiert hat. Unüblich war die Besetzung eines an das zweite Fagott gekoppelten Bassinstruments allerdings zu Mozarts Zeit nicht, und die klangliche Wirkung ist auch durchaus ansprechend. Dann der Klang der beiden Hörner, die hier häufig stark schmettern und sich dadurch sofort als historische Naturhörner zu erkennen geben. Auch das ist klanglich überzeugend, allerdings spielen die übrigen Musiker auf modernen Instrumenten, man muss sich folglich mit einem halb-historischen Mischklang arrangieren, der aber auch von anderen Ensembles und Orchestern nicht selten so umgesetzt wird. Schließlich der üppige Hall, den die Aufnahme in einer Kirche mit sich bringt. Das ist letztlich Geschmackssache, allerdings ist hier eindeutig festzuhalt...

Schubert, Franz - Sinfonie Nr. 8

vor 1 Stunde 16 Minuten

Superlativ an Partiturtreue

Peter Gülke und die Brandenburger Symphoniker beeindrucken mit einer bravourösen und textgetreuen Einspielung von Schuberts sogenannter Großer C-Dur-Sinfonie.

Wenn der Dirigent, Musikwissenschaftler, Musikprofessor und Schubert-Experte Peter Gülke im hohen Alter beschließt, Schuberts populäre sogenannte ‚Große C-Dur-Sinfonie‘ einzuspielen, sollte dieser Aufnahme eigentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden als dies bislang der Fall war. Sei das verhaltene Augenmerk dem Umstand geschuldet, dass Gülke bis heute nicht der ganz große Durchbruch als Dirigent gelungen ist oder dass die Brandenburger Symphoniker sich nicht auf der internationalen Bühne bewegen - bei anderen Klassik-Stars hätte eine Aufnahme dieser berühmten Sinfonie jedenfalls ein größeres Echo hervorgerufen.

Dabei muss sich die Produktion nicht vor der Konkurrenz verstecken. Die bei Musikproduktion Dabringhaus und Grimm erschienene SACD beweist nämlich in jeglicher Hinsicht Exzellenzstatus, der sich bereits in der Aufmachung manifestier...